[ Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung von Abschnitt IV aus dem Artikel “The Church’s Mission in the New Creation” (JETS, 48.1, S.3-31) von G. K. Beale]
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Was durch die Tempel im Alten Testament angedeutet wurde findet in Jesus Christus seine Erfüllung: Gottes Gegenwart auf der Erde. Auf Ihn und sein Werk hat das gesamte Opfersystem schattenhaft hingewiesen. Ein zukünftiger Tempel in Israel kann bestenfalls als zweitrangige Erfüllung der Tempelverheißungen verstanden werden. Wenn Christus und seine Gemeinde tatsächlich den endzeitlichen Tempel verkörpern, wäre es ein heilsgeschichtlicher Rückschritt auf ein neues Tempelgebäude zu hoffen.
Verschiedene Bibelstellen sprechen von der Gemeinde als einem / dem Tempel Gottes:
„Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1.Kor 3,16)
„Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?“ (1.Kor 6,19)
„Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ (2. Kor 6,16)
Manche Ausleger schließen aus den hier zitierten Versen lediglich, dass die Gemeinde wie ein Tempel ist. Dass die Kirche Jesu Christi tatsächlich die Erfüllung der alttestamentlichen Vorhersagen über einen neuen Tempel ist, sei laut Gordon Fee zwar möglich, aber nicht sicher.
An dieser Stelle geht Beale ausführlich auf 2.Kor 6,16-18 ein. Dort zitiert der Apostel Paulus ausdrücklich Verse aus dem Alten Testament, die von einem zukünftigen Tempel sprechen, und belegt damit seine Behauptung, die Gemeinde sei der Tempel Gottes.
| 3. Mose 26,11–12 / Hes 37,26–27 |
2. Kor 6,16b |
| „Und ich werde meine Wohnung in eure Mitte setzen, … Und ich werde in eurer Mitte leben und werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein.“ (3. Mose 26,11–12)
„… und setze mein Heiligtum in ihre Mitte für ewig. Und meine Wohnung wird über ihnen sein; und ich werde ihnen zum Gott und sie werden mir zum Volk sein.“ (Hes 37,26–27)
|
„»Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ |
Weiter zitiert Paulus eine Aufforderung aus Jes 52, die im Zusammenhang mit der Verheißung eines neuen Tempels für die Zeit nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil steht:
| Jes 52,11 |
2. Kor 6,17 |
| „Weicht, weicht! Geht von dort hinaus, rührt nichts Unreines an! Geht hinaus aus ihrer Mitte, reinigt euch, die ihr die Geräte des HERRN tragt!“ |
„Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch annehmen“
|
Schließlich spielt Paulus auch noch auf die Verheißung an David (bzw. dessen Nachkommen) an, die dieser auf sein Vorhaben hin erhielt einen Tempel für den HERRn zu bauen:
| 2. Sam 7,14 |
2. Kor 6,18 |
| „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein.“ |
„und werde euch ein Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ |
Es fällt auf, dass Paulus nicht mehr nur “Sohn” sondern “Söhne und Töchter” schreibt. Diese Erweiterung steht im Einklang mit drei Stellen in Jesaja, die von der Wiederherstellung Israels sprechen und somit auch mit dem neuen Tempel in Verbindung stehen (Jes 43,6; 49,22; 60,4).
Alle diese Zitate zusammengenommen lassen im Grunde nur eine Schlussfolgerung zu: Nach der Auffassung des Apostels beginnen sich die Tempelverheißungen des Alten Testamentes in der christlichen Gemeinde von Korinth zu erfüllen.
Auch der Zusammenhang im 2. Korintherbrief stützt diese Annahme. In 2.Kor 1, 20a steht:
“Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm [= Christus] ist das Ja”
Zu diesen Verheißungen zählen sicherlich zunächst die Aussagen über den Neuen Bund (2. Kor 3). Dass aber auch die Tempelverheißungen in 2.Kor 6 im Zusammenhang von 2.Kor 1, 20a zu betrachten sind, macht der unmittelbar folgende Vers (2. Kor 7,1) deutlich:
“Da wir nun diese Verheißung haben…”
In Christus findet sich auch das Ja zu den Verheißungen über den neuen Tempel und die Gemeinde als sein Leib hat Teil an dieser Erfüllung.