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3 Jun 2010

8 Argumente gegen die Kindertaufe…

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

… führt J.L. Goiran auf seinem Blog “Christozentrisch” auf und gibt jeweils anhand der Bibel eine Antwort aus Reformierter Sicht. Dieser lesenswerte  Beitrag zur Kindertaufe ist im Zusammenhang des vorangehenden Artikels über die Taufe im Allgemeinen zu betrachten.

Wer sich eingehender mit diesem Thema beschäftigen will, sei darüber hinaus auf die von mir kürzlich angelegte Literaturliste verwiesen.

23 Mai 2010

Der Tempel und die Gemeinde (5): Die Neue Schöpfung als Tempel

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

[ Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung von Abschnitt V aus dem Artikel “The Church’s Mission in the New Creation” (JETS, 48.1, S.3-31) von G. K. Beale]

Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4

In der Offenbarung, Kapitel 21, wird die Neue Schöpfung wie folgt beschrieben:

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. 3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein.

Drei verschiedene Eindrücke werden in diesen Versen vermittelt:

  1. Der Neue Himmel und die Neue Erde
  2. Das Neue Jerusalem
  3. Das Zelt Gottes bei den Menschen.

Nun gehört es zum Wesen der Offenbarung, dass aufeinanderfolgende Visionen nicht unbedingt jeweils eine völlig neue Begebenheit beschreiben, sondern sich gegenseitig interpretieren. So auch hier. Der Neue Himmel und die Neue Erde wird mit dem Neuen Jerusalem identifiziert, das wiederum als das Heiligtum Gottes gedeutet wird. Die Neue Schöpfung wird also vollkommen von der Gegenwart Gottes erfüllt werden, wie das zuvor nur für den Tempel in Israel und später für die Gemeinde galt.

Offb 21-22 gibt einige Hinweise darauf, dass die Neue Schöpfung als Tempel verstanden werden will:

  • In Offb 21,18 heißt es, dass die Stadt aus reinem Gold ist. Dies entspricht dem Allerheiligsten im Tempel Israels, das nach der Beschreibung des Alten Testamentes vollkommen mit Gold überzogen war (vgl. 1.Kön 6,20-22; 2.Chr 3,4-8).
  • Eine Dreiteilung in Vorhof, Heiliges und Allerheiligstes findet sich in der neuen Schöpfung nicht mehr, da die Gegenwart Gottes die gesamte Stadt erfüllt. In der Tat muss die ganze Neuschöpfung als ein Allerheiligstes betrachtet werden. In Offb 21,16 steht, dass die Stadt der Form nach ein Würfel ist. Diese Form hatte im Alten Testament das Allerheiligste des Tempels Salomos (1.Kön 6,20).

Wie sind diese Entsprechungen zu verstehen?  Hat sich Johannes wilder Vergeistlichung alttestamentlicher Aussagen schuldig gemacht? Haben wir es mit typologischer Erfüllung oder einfach mit bildlicher Entsprechung zu tun? Beale meint, Johannes sieht in der Neuen Schöpfung die buchstäbliche Erfüllung der ursprünglichen Absicht Gottes mit dem Tempel im Alten Testament.

Dort finden sich laut Beale zwei Arten von Prophezeiungen über den Tempel:

  1. Beschreibungen, die kein eigentliches Tempelgebäude im Blick haben (Jes 4,5-6; Jer 3,16-17; Sach 1,16-2,13; Hes 37,26-28; Lev 26,10-13; Dan 2,34-35.44-45)
  2. Darstellungen von einem wirklichen Tempelgebäude  (Dan 8; 11-12; Hes 40-48).

Wie kann die zweite Art von Prophezeiungen als in der Neuen Schöpfung erfüllt betrachtet werden, wenn dort kein wirkliches Gebäude zu erwarten ist? Beale erklärt dies mit einer Illustration:

Ein Vater macht im Jahre 1900 seinem kleinen Sohn ein Versprechen. Wenn er groß geworden ist und heiratet, will dieser ihm ein Pferd und eine Kutsche schenken. Von der Vorfreude getrieben, macht sich der Sohn natürlich alle möglichen Gedanken über die Farbe des Pferdes und die Ausstattung der Kutsche. Vielleicht hat der Vater auch schon davon gehört, dass es bald möglich sein wird, Fahrzeuge herzustellen, die ohne Pferdekraft auskommen. Trotzdem verspricht er eine Pferdekutsche, weil der Sohn sich darunter etwas vorstellen kann. Als es 1930 dann soweit ist, und der Sohn heiratet, besteht das Geschenk nicht in einer Pferdekutsche, sondern in einem nagelneuen, motorbetriebenen Automobil.

Hat der Vater sein Versprechen gebrochen? War der Sohn enttäuscht? Beide Fragen können wohl mit Nein beantwortet werden. Das Versprechen wurde nicht nur eingehalten,vielmehr übertraf die Erfüllung das zuvor zugesagte.

Mit den Tempelverheißungen ist es ähnlich. Die viel größeren Erfüllungen im Neuen Testament, nämlich dass Gott nicht in einem Tempelgebäude sondern zunächst in der Person Jesus Christus und später durch seinen Geist mitten unter seinem Volk wohnt und letztendlich den ganzen Kosmos zu seinem Heiligtum machen wird, dürfen nicht als Widerspruch zu manchen Aussagen im Alten Testament verstanden werden.

9 Mai 2010

Gebet

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

Lieber Vater. In Deiner Gnade hast Du einen Weg gezeigt, auf dem wir nicht irren können, wenn wir Dir folgen. Da gib, daß wir bereit sind, von Dir zu lernen und Dir zu gehorchen. Laß uns nicht abweichen zur Rechten oder zur Linken, sondern an dem Gottesdienst festhalten, den du uns in Deinem Wort befielst: in Deinem Wort – denn nur dann können wir bezeugen, nicht nur vor der Welt, nein, auch vor Dir und Deinen Engeln, daß wir Dir im Gehorsam nachgefolgt sind. Laß uns nichts Eigenes beifügen, sondern mit stillem Geist Dir allein dienen. Gib uns den Eifer, uns Dir ganz zu unterwerfen und Dir einen rechten Gehorsam zu leisten unser ganzes Leben lang, bis wir endlich zu jener seligen Ruhe kommen, die uns Dein Sohn erworben hat durch sein eigen Blut. AMEN.

– Johannes Calvin

12 Apr 2010

Verax-Konferenz 2010

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

Am 8. Mai 2010 wird in Schopfheim bei Basel die vom Verax-Institut organisierte Konferenz zum Thema “Der Gottesdienst – unterhaltsam, belehrend, meditativ oder wie?” stattfinden.

Hier eine Übersicht über Redner und Referate:

» Die Auswirkung unseres Gemeindeverständnisses auf die Anbetung und den Zweck der Versammlungen
(David Manduka – Pastor der Basel Christian Fellowship)
» Sport, Spiel, Spannung: evangelikale Gottesdienstgestaltung unter der Lupe
(Dr. Martin Erdmann - Direktor und theologischer Referent des Verax Instituts)
» Gottesdienst und Geisteskampf in Beziehung zum Missionsbefehl: eine Auslegung von Josua 5,13-6,5
(Prof. Dr. Edgar Andrews – Emerit. Prof. für Physik, Ältester der Campus Church, Welwyn Garden City)
» Sonntags-Club oder Abbild des Himmlischen? Wenn das Evangelium unseren Gottesdienst prägt
(Kurt Vetterli - Pastor der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel, W.B.)

    Nähere Informationen gibt es auf der Internet-Seite des Verax-Institutes (http://www.verax.ws).

    11 Apr 2010

    Der Tempel und die Gemeinde (4): Christus und seine Nachfolger als Tempel der Neuen Schöpfung

    Beitrag von Matthias Viraureus. 1 Kommentar

    [ Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung von Abschnitt IV aus dem Artikel “The Church’s Mission in the New Creation” (JETS, 48.1, S.3-31) von G. K. Beale]

    Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

    Was durch die Tempel im Alten Testament angedeutet wurde findet in Jesus Christus seine Erfüllung: Gottes Gegenwart auf der Erde. Auf Ihn und sein Werk hat das gesamte Opfersystem schattenhaft hingewiesen. Ein zukünftiger Tempel in Israel kann bestenfalls als zweitrangige Erfüllung der Tempelverheißungen verstanden werden. Wenn Christus und seine Gemeinde tatsächlich den endzeitlichen Tempel verkörpern, wäre es ein heilsgeschichtlicher Rückschritt auf ein neues Tempelgebäude zu hoffen.

    Verschiedene Bibelstellen sprechen von der Gemeinde als einem / dem Tempel Gottes:

    „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1.Kor 3,16)

    „Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?“ (1.Kor 6,19)

    „Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ (2. Kor 6,16)

    Manche Ausleger schließen aus den hier zitierten Versen lediglich, dass die Gemeinde wie ein Tempel ist. Dass die Kirche Jesu Christi tatsächlich die Erfüllung der alttestamentlichen Vorhersagen über einen neuen Tempel ist, sei laut Gordon Fee zwar möglich, aber nicht sicher.

    An dieser Stelle geht Beale ausführlich auf 2.Kor 6,16-18 ein. Dort zitiert der Apostel Paulus ausdrücklich Verse aus dem Alten Testament, die von einem zukünftigen Tempel sprechen, und belegt damit seine Behauptung, die Gemeinde sei der Tempel Gottes.

    3. Mose 26,11–12 / Hes 37,26–27 2. Kor 6,16b
    „Und ich werde meine Wohnung in eure Mitte setzen, … Und ich werde in eurer Mitte leben und werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein.“ (3. Mose 26,11–12)

    „… und setze mein Heiligtum in ihre Mitte für ewig. Und meine Wohnung wird über ihnen sein; und ich werde ihnen zum Gott und sie werden mir zum Volk sein.“ (Hes 37,26–27)

    „»Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“

    Weiter zitiert Paulus eine Aufforderung aus Jes 52, die im Zusammenhang mit der Verheißung eines neuen Tempels für die Zeit nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil steht:

    Jes 52,11 2. Kor 6,17
    „Weicht, weicht! Geht von dort hinaus, rührt nichts Unreines an! Geht hinaus aus ihrer Mitte, reinigt euch, die ihr die Geräte des HERRN tragt!“ „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch annehmen“

    Schließlich spielt Paulus auch noch auf die Verheißung an David (bzw. dessen Nachkommen) an, die dieser auf sein Vorhaben hin erhielt einen Tempel für den HERRn zu bauen:

    2. Sam 7,14 2. Kor 6,18
    „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein.“ „und werde euch ein Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“

    Es fällt auf, dass Paulus nicht mehr nur “Sohn” sondern “Söhne und Töchter” schreibt. Diese Erweiterung steht im Einklang mit drei Stellen in Jesaja, die von der Wiederherstellung Israels sprechen und somit auch mit dem neuen Tempel in Verbindung stehen (Jes 43,6; 49,22; 60,4).

    Alle diese Zitate zusammengenommen lassen im Grunde nur eine Schlussfolgerung zu: Nach der Auffassung des Apostels beginnen sich die Tempelverheißungen des Alten Testamentes in der christlichen Gemeinde von Korinth zu erfüllen.

    Auch der Zusammenhang im 2. Korintherbrief stützt diese Annahme. In 2.Kor 1, 20a steht:

    “Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm [= Christus] ist das Ja”

    Zu diesen Verheißungen zählen sicherlich zunächst die Aussagen über den Neuen Bund (2. Kor 3). Dass aber auch die Tempelverheißungen in 2.Kor 6 im Zusammenhang von 2.Kor 1, 20a zu betrachten sind, macht der unmittelbar folgende Vers (2. Kor 7,1) deutlich:

    “Da wir nun diese Verheißung haben…”

    In Christus findet sich auch das Ja zu den Verheißungen über den neuen Tempel und die Gemeinde als sein Leib hat Teil an dieser Erfüllung.

    25 Mrz 2010

    Neue Ausgabe der Bekennende Kirche (Nr. 40) erschienen.

    Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

    Die neue Ausgabe der “Bekennende Kirche” wurde eben per Email verteilt. Hier ein Einblick in den Inhalt:

    • Carsten Linke: Wortverkündigung zu 2Mose 12,13 Das Blut des Lammes rettet das Volk
    • Kurt VetterliLeere statt Lehre ?
    • Jörg WehrenbergViel Leiden, noch mehr Trost: Gottes Hilfe im Leben der Christen für Christus
    • Jürgen-Burkhard Klautke: Auf dem Weg nach Golgatha: Isaak braucht nicht geopfert zu werden (1Mose 22,1–19)
    • Victor E. d’AssonvilleDie Reformation, die Deutschen und Johannes Calvin (5) Ein Franzose verteidigt die Reformation, auch die deutsche

    In Kürze sollte die Datei auch auf http://bekennende-kirche.de/ verfügbar sein.

    24 Mrz 2010

    Christsein entdecken: Ein neuer Glaubenskurs auf Basis des Markusevangeliums

    Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

    Freunde von evangelistischen Glaubenskursen dürfen sich freuen. Das Kursmaterial von “Christianity Explored”, einem weltweit gebrauchten Glaubenskurs, wird nun vom 3L-Verlag auf deutsch herausgegeben. Auf der eigens für diesen Kurs eingerichteten Webseite wird er wie folgt beschrieben:

    CHRISTSEIN ENTDECKEN besteht aus einem zehnwöchigen Glaubenskurs mit dem Ziel, Menschen mit dem Leben und Wirken von Jesus Christus vertraut zu machen. Die zehn Abende beginnen jeweils mit einem Imbiss und dauern ca. 2 Stunden. Es gibt immer ein kurzes Referat zum Thema des Abends und genug Zeit, um in kleinen Gruppen ins Gespräch zu kommen.

    Die einzelnen Themen konzentrieren sich dabei auf drei Fragen, die deutlich machen, worum es im christlichen Glauben geht:

    • Wer ist Jesus?
    • Warum ist er gekommen?
    • Was bedeutet es, ihm nachzufolgen?

    Die Kursteilnehmer werden dazu motiviert, die Antworten hierauf im Markusevangelium zu entdecken. Der Glaubenskurs CHRISTSEIN ENTDECKEN ist für Menschen, die mehr über Jesus Christus erfahren wollen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich diesen Kurs sehr empfehlen, weil er immer sehr nahe am Bibeltext bleibt. Auf diese Weise lernen die Teilnehmer nicht nur die wichtigsten Tatsachen des christlichen Glaubens, sondern üben darüber hinaus auch in der Gruppe und zuhause das selbständige Bibellesen.

    24 Mrz 2010

    Psalm des Tages

    Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

    Du tränkest uns auch in dem dürren Sand,
    du öffnest uns in heißer Wüste Quellen,
    der kleine Bach muß hoch für uns aufschwellen,
    der alte Strom versiegt durch deine Hand.

    Dein ist der Tag, dein ist die Nacht dazu,
    du rufst das Licht, du machst die Sonne glänzen.
    Du stellest fest der Erde weite Grenzen;
    den Sommer schaffst, den Winter machest du.

    (Psalm 74,15-17 / Bereimung: Matthias Jorissen [1798])

    Quelle: Calvinianum.de

    23 Mrz 2010

    SERK: Eine reformierte Bekenntniskirche für Deutschland

    Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

    Am 18. April wird die “Selbständigen Evangelisch-Reformierten Kirche in Deutschland (SERK)” in Heidelberg ihren Eröffnungsgottesdienst feiern.

    Auf der Homepage (http://www.serk-heidelberg.de/) findet sich folgende Beschreibung:

    In Kürze: die SERK ist eine Kirche außerhalb der Landeskirche. Das heißt, sie ist in Organisation und Finanzierung vom Staat unabhängig. Trotzdem ist die SERK keine Freikirche, denn die Gemeinden der SERK sind keine unabhängigen Ortsgemeinden in einem losen Netzwerk, sondern eine Kirche mit verbindlicher Organisation und Rechtssprechung auf verschiedenen Ebenen.

    Außerdem ist die SERK ein reformierte Kirche, das heißt sie hat ein klar umrissenes, historisches Bekenntnis und steht in einer bestimmten Tradition. Das Bekenntnis der SERK sind die drei klassisch reformierten Bekenntnisse. Die Tradition der SERK ist die der Reformation von Martin Luther und Philipp Melanchthon, insbesondere aber der reformierten, wie Martin Bucer, Heinrich Bullinger, Johannes Calvin, Johannes a Lasco und John Knox.

    Eine Ausführlichere Darstellung in Form einer Broschüre kann man sich als PDF hier herunterladen. Weitere Broschüren beschäftigen sich mit der Rolle des Katechismus und der Liturgie.

    21 Mrz 2010

    Caspar Olevian (1536-1587): Christ, Kirchenpolitiker und Theologe

    Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

    Das große Calvin-Jahr 2009 liegt bereits seit geraumer Zeit hinter uns. Viele Konferenzen, Tagungen und andere Veranstaltungen wurden zu Ehren des Genfer Reformators abgehalten und eine nicht geringe Zahl neuer Bücher erschien. Eine Schattenseite solcher großer Jubiläen ist, dass einzelne Gestalten (wie beispielsweise Calvin) in ihrer Bedeutung derart hervorgehoben werden, sodass andere prägende Personen derselben Epoche beinahe vollständig in Vergessenheit geraten.

    Ein solcher Mann im Schatten der großen Reformatoren ist Caspar Olevian, ein reformierter Theologe des 16. Jahrhunderts, dessen Lebenswerk heute nur noch in Fachkreisen gewürdigt wird. Dieser Beitrag versteht sich als Anregung, dem Reichtum und der Vielfalt der reformierten Tradition neu auf den Grund zu gehen.

    Ausgangspunkt für ein solches Unterfangen könnte das kleine Büchlein “Caspar Olevian (1536-1587): Christ, Kirchenpolitiker und Theologe” von Andreas Mühling (Professor für Kirchengeschichte an der Universität Trier) sein. Auf nur 153 Seiten erhält der Leser einen guten Einblick in Leben und Werk des deutschen Theologen.

    Nach einer biographischen Skizze der ersten 23 Lebensjahre, wird unter der Überschrift “Der Kirchenpolitiker” zunächst der fehlgeschlagene Versuch Olevians geschildert, in seiner Heimatstadt Trier die Reformation einzuführen. Besonders wertvoll, auch im Blick auf heutige Reformationsbemühungen, ist die Analyse der Fehler, die letztendlich das Vorhaben scheitern ließen (S. 38f).

    Ab 1560 wirkte Olevian in Heidelberg, wo sich unter Kurfürst Friedrich III. eine Hinwendung zum reformierten Bekenntnis vollzog. Zu den Theologen, die in den neuen, reformierten Kirchenrat berufen wurden, zählte neben Olevian auch der spätere Hauptverfasser des “Heidelberger Katechismus” Zacharias Ursinus (1534-83).

    Die wichtigste Auseinandersetzung als Kirchenpolitiker in der Kurpfalz führte Olevian um die Frage der Kirchenzucht. Neben dem von ihm favorisierten “Genfer Modell“, wonach die Gemeinde unabhängig von der Obrigkeit den Kirchenbann aussprechen darf, hatte in Heidelberg auch das “Zürcher Modell“, bei dem die Kirchenzucht in gemeinsamer Verantwortung von Kirche und Obrigkeit ausgeübt wird, seine Befürworter. Durchgesetzt hat sich letztendlich, nicht zuletzt aufgrund des eifrigen Bemühens Olevians, das Genfer Kirchenmodell.

    Mit dem Tod Friedrichs III. kam es 1576 zum konfessionellen Umschwung in der Kurpfalz. Dessen Sohn Ludwig vertrat nämlich einen streng lutherischen Kurs, weshalb Olevian nicht länger in Heidelberg tätig sein konnte. Ein neues Aufgabenfeld tat sich in der Grafschaft “Sayn-Wittgenstein” auf. Unter der Federführung Olevians wurde die dortige Kirche nach dem Kurpfälzer Vorbild reformiert. Dort widmete er sich auch ausgiebig der theologischen Arbeit. Zahlreiche Kommentare zu den Paulusbriefen und sein wichtigster Kommentar zum Apostolikum (“Vester Grund”) sind Zeugnisse einer außergewöhnlich fruchtbaren Schaffenszeit.

    In den letzten Jahren seines Lebens (1584-87) war er maßgeblich an der Errichtung der “Hohen Schule Herborn”, einer reformierten Bildungsanstalt mit europaweiter Ausstrahlung, beteiligt. Neu war dort, im Vergleich zu ähnlichen Akademien, die praktische Ausrichtung des Studiums in Kombination mit der Reformpädagogik nach Ramus.

    Am 15. März 1587 verstarb Olevian. Er hatte sich von den Verletzungen nicht erholt, die er sich einige Wochen zuvor bei einem Sturz auf dem Weg zu einem Krankenbesuch zugezogen hatte.

    Aus dem theologischen Erbe Olevians sticht vor allem sein Beitrag zur Entwicklung der reformierten Bundestheologie hervor. Den Bundesgedanken von Bullinger mit den Einsichten von Ursinus und Melanchthon kombinierend, unterschied er zwischen einem “Gesetzesbund” und einem “Gnadenbund”. Diese Unterscheidung findet sich später unter anderem im Westminster Bekenntnis wieder.

    Zum Weiterlesen gibt Mühling in seinem Buch auf S. 146-7 einige wenige Hinweise. Wer sich mit Olevian, seiner Zeit und Theologie ausführlicher beschäftigen möchte, sei noch auf folgende Literatur vewiesen: