12 Dez 2008
Die Verlorenen erreichen – ohne die Erreichten zu verlieren.
Im Letzten Kapitel seines Buches “A Better Way” gibt Michael Horten ein paar Ideen weiter, wie man das Evangelium unter die Menschen bringt. Es geht ihm vor allem auch darum, dass man bei aller Mühe um die Verlorenen die eigenen Gemeindeglieder nicht vergisst. Hier die einzelnen Punkte mit meinen eigenen Kommentaren.
1. Tägliche Unterweisung der Jugend
Was bei den Mormonen erfolgreich praktiziert wird, scheint für die Christenheit eine Utopie. Wie wäre es, wenn sich die Jugend täglich (vor oder nach der Schule) zum Glaubensunterricht versammeln würde? Welche Schätze könnte man in diesen Stunden vermitteln und wieviel klarer könnte das Zeugnis in dieser Welt sein, wenn die Jugendlichen wüssten, was sie Glauben und warum sie es tun. Wo sind die Gemeinden, die die Väter darin anleiten ihre Kinder zu unterweisen? Wo sind die Bücher, die einem christlichen Papa das Know-How vermitteln, ein erfolgreicher Hirte seiner Familienherde zu sein? Es gab einmal Katechismen und Bekenntnisse und Kommentare dazu …
2. Wort-zentrierte Innovationen
Konservative Gemeinden können sehr träge sein, das eigene Glaubensgut auf neue Weise zu vermitteln. Kreative Leute mit innovativen Ansätzen werden gesucht. Wie bringen wir die “gesunde Lehre” auf neuartige Weise unter das Volk. Die 10. Presbyterianische Gemeinde in Philadelphia machts vor: In der Kirche hängt ein Kasten, wo man Glaubensfragen einwerfen kann. Vor dem Beginn des Abendgottestdienstes wird dann jeweils eine Frage vom Pastor beantwortet. Hier können auch die Kinder ihre Fragen loswerden und sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen…
3. Zwischen evangelistischen Veranstaltungen und Gottesdiensten (“Bundeserneuerungsfeier”) unterscheiden
Wie die jüngsten Studien der Megakirchen in den USA zeigen, kämpft man dort darum die Gemeindeglieder mit der nötigen Nahrung zu versorgen. Es stellte sich heraus, dass gerade aktivsten Mitarbeiter die Unzufriedensten sind. Hier kann die oben genannte Unterscheidung eine Hilfe sein. Unsere Gottesdienste sollten Veranstaltungen für das Bundesvolk sein, also für die Gemeindeglieder. Nur dann, wenn nämlich das Bundesvolk die nötige Dosis Gesetz und Evangelium serviert bekommen hat, ist es in der Lage selber das gute Wort auszuteilen.
Wie könnten evangelistische Veranstaltungen aussehen? Horton gibt Beispiele:
- ein Glaubensgrundkurs “Christentum für Anfänger” für Geschäftsleute in der Mittagspause
- Vortragsabende mit provokanten Themen und anschließender Diskussion
- Suppenküchen und kostenlose Finanzberatung für sozial Benachteiligte
- Erziehungsseminare für Eltern
- kostenlose / kostengünstige Kinderbetreuung
- regelmäßiger Stammtisch in der örtlichen Kneipe usw.
Evangelistische Veranstaltungen sind notwendig, denn eine Gemeinde ohne missionarischen Eifer ist so gut wie tod. Auf der anderen Seite dürfen diese Veranstaltungen den Gemeindegottesdiensten nicht in die Quere kommen. Die Gemeinde darf nicht ihrer wöchentlichen Ration “Wort & Sakrament” beraubt werden.
4. Radio
Auch hier ist Kreativität gefragt. Während das Radioprogramm “The White Horse Inn” wöchentlich große Teile der Staaten mit erfrischenden theologischen Diskussionen erfahrener Pastoren / Theologen versorgt, ist solch ein Format im deutschsprachigen Raum allenfalls ein frommer Wunsch. Dabei wäre der technische Aufwand in unserer Zeit dank Internet etc. nicht einmal so groß. Freiwillige vor!
5. Eine neue Haltung zur bestehenden Gemeinde
Bevor die Suchenden in eine warme, herzliche Gemeinschaft eingeladen werden können, muss eine solche erst einmal gedeihen. Im Gemeindealltag (z. B. am “Tag des Herrn”?) muss es Platz geben für ungezwungenes Beisammensein und ermutigendem Austausch. Gelegenheit zum Austausch und zu gemeinsamen Mahlzeiten sind beinahe eine notwendige Bedingung einer gesunden Gemeinde. Die Alte Kirche kannte “Liebesmähler”, die leider wegen Missbrauch wieder außer Mode kamen…
Soweit mal. Es ist mir bewusst, dass einige Vorschläge zumindest für den deutschsprachigen Raum eher an Utopie grenzen und die Kommentare meinerseits z.T. provokant gewürzt sind. Das Ziel ist, Impulse zum Weiterdenken zu geben.

