10 Dez 2008
Witsius III.6: Über die Wiedergeburt.
Die Wiedergeburt ist eine übernatürliche Handlung Gottes, wodurch ein neues, göttliches Leben in die auserwählte, aber geistlich tote Person „eingegossen“ wird. Dies geschieht durch den unvergänglichen Samen des Wortes Gottes, fruchtbar gemacht durch die unendliche Kraft des Geistes.
Die Menschen befinden sich unter der Verdammnis des geistlichen Todes, der eine Trennung und Entfremdung von Gott bedeutet. Dadurch nehmen die Menschen geistliche Dinge nicht war und sind absolut unfähig zu irgendeiner Tat wahren Lebens.
Das Wort „Wiedergeburt“ kann auf verschiedene Weisen benutzt werden. Zuerst bezeichnet es den Vorgang, bei dem der Mensch vom Tod zum Leben hindurchdringt und geschieht somit in einem Moment. Es gibt kein Zwischenzustand zwischen „nicht wiedergeboren“ und „wiedergeboren“, denn die Schrift teilt die ganze Menschheit in zwei Gruppen: Schafe und Böcke (Mt 25,2-3).
Wiedergeburt kann auch als die zweite Handlung, oder die Offenbarung geistlichen Lebens bezeichnen. Manchmal wird das geistliche Leben, wie in wiedergeborenen Säuglingen nur langsam sichtbar. Daher kann eine Person nicht immer festlegen, wann sie gerettet wurde.
Gibt es „Vorbereitungen“ für die Wiedergeburt? Die Semi-Pelagianische Ansicht bejaht dies: Der Sünder bereitet sich vor, oder kommt zur Wiedergeburt, indem er sucht, fragt, umkehrt, seine Sünde beweint, usw. Die Schrift aber lehrt, dass ein toter Mensch oder ein schlechter Baum nichts tun kann, um sich für die Gnade vorzubereiten. Die ‘reformierte’ Ansicht in Bezug auf die Vorbereitungen zur Wiedergeburt betrifft das Brechen des Willens, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Gesetz, den eigenen Sünden und den Anfeindungen gegenüber Gott, eine Furcht vor der Hölle und eine Sehnsucht nach Errettung. Der Unterschied zwischen dieser Ansicht und der des Semi-Pelagianismus liegt darin, dass diese Vorbereitungen für die Gnade kein Vorbereitungen im eigentlichen Sinn sind, sondern Auswirkungen oder Früchte der Wiedergeburt darstellen. Wenn ein Verworfener diese „Vorbereitungen“ ausführt, ganz egal wie sich das äußert, ist dies immer noch im Einklang mit mit dem geistlichen Tod, führt also nicht vorbereitend zur Bekehrung hin, denn ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Es gibt keine „Vorbereitungen“ zur Wiedergeburt, wenn man sie in dem Sinn betrachtet, dass sie den Übergang zwischen Leben und Tod beschreibt. Es gibt aber verschiedene Grade was den geistlichen Tod betrifft.
Der Urheber der Wiedergeburt ist Gott (Joh 1,13). Christus ist Gott und der Urheber der Wiedergeburt, aber auch der verdienstliche und beispielhafte Grund unserer Widergeburt (Joh 3,5). Der Same der Wiedergeburt ist das Wort Gottes. Die Auswirkungen der Wiedergeburt sind sich nicht immer auf die selbe Weise ersichtlich, wie am Beispiel der Säuglinge. Es ist also die Pflicht aller Menschen sich der Lehre von Gottes Wort auszusetzen. Eine Person muss den Anfang der Gnade in seinem Leben fördern und nähren, indem sie die Gnadenmittel in Anspruch nimmt.

