19 Mrz 2009

Der Tempel und die Gemeinde (1): Eden als erster Tempel

Erstellt von Matthias Viraureus

G. K. Beale (Neutestamentler am Wheaton College, IL) gibt in seinem Artikel “The Church’s Mission in the New Creation” (JETS, 48.1, S.3-31) neun Gründe an, warum das Eden der ersten Schöpfung als Tempel verstanden werden sollte:

1. Der Tempel ist der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Adam, als erster Priester wandelte mit Gott. In 1.Mose 3,8 wird für Gottes Gegenwart in Eden die selbe Verbform (“hithallek”) gebraucht wie an anderen Stellen, wo von Gottes “wandeln” in der Stiftshütte die Rede ist.

2. Gott gibt Adam den Auftrag den Garten „zu bebauen und ihn zu bewahren“ (1Mose 2,15).

Sucht man die beiden hier gebrauchten hebräischen Verben (‘abad und shamar) an anderen Stellen des Bibeltextes, dann fällt auf, dass sie häufig für Priester gebraucht werden, die im Tempel “dienen” und ihn vor unreinen Dingen “bewahren” (z.B. Num 3,7-8). Adam war also der erste Priester. Als er seine Aufgabe vernachlässigte, indem er auf die Schlange hörte, wurde er aus dem Garten vertrieben und die Cherubim übernahmen die Aufgabe den Garten zu bewachen (shamar).

3. Der “Baum des Lebens” in Eden scheint als Modell für den Leuchter gedient zu haben, der vor das Allerheiligste in den Tempel gestellt werden sollte.

4. Spätere Tempel sollten offenbar eine gartenähnliche Athmosphäre haben, was sich in den Verzierungen ausdrückte („Schnitzwerk von Koloquinten[blättern] und Blumengewinden“ (1Könige 6:18)).

5. Wie spätere Tempel war auch Eden auf einem Berg gelegen (Hes 28,14.16; Beale geht davon aus, dass hier Adam gemeint ist) und hatte seine Eingang nach Osten hin (Gen 3,24).

6. Die Bundeslade mit dem Gesetz spiegelt den Baum der Erkenntnis wieder, der bekanntlich ebenfalls Weisheit verleihen konnte. Berührung des Baumes führte genauso zum Tod wie auch die Berührung des Bundeslade.

7. In 1.Mose 2,10 wird ausgesagt, dass ein Strom von Eden ausging. Ein solcher Strom findet sich auch im Endzeit-Tempel von Hesekiel 47,1-12 und in Offb 21,1-2.

8. Es ist gut möglich, dass es innerhalb von Eden eine Art Heiligtum gab. Der Ursprung des Wasserstroms liegt in “Eden” und bewässert den Garten. Es entsteht also das Bild einer palastartigen Residenz mit anliegendem Garten. Ein ähnliches Bild wird auch in Hes 47,1 und Offb 22,1-2 gezeichnet. In den Tempelgebäuden Israels lässt sich diese Unterscheidung im Allerheiligsten und Heiligsten finden.

9. Hes 28, 13-18 spielt an auf Eden, den Garten Gottes, den “heiligen Berg” an, in dem Heiligtümer waren.

Wenn man alle diese Punkte zusammennimmt, liegt die Schlussfolgerung tatsächlich nahe, dass Eden als erster Tempel zu verstehen ist. Demnach war Adam der erste Priester, der nicht allein die Aufgabe hatte “zu bebauen und bewahren” sondern sich auch den Bereich außerhalb von Eden “untertan” zu machen (1.Mose 1, 28). Das Ziel dieses Auftrags scheint die Ausbreitung des Gartens und damit die Herrschaft Gottes auf die ganze Welt gewesen zu sein. Dies sollte durch die Vermehrung des Menschengeschlechtes geschehen. Wo immer der Mensch, als im Bild Gottes geschaffen, auftrat wurde auch die Gegenwart Gottes sichtbar.

Dass dieses Ziel durch den Fall Adams unmöglich wurde, wissen wir aus dem dritten Kapitel des ersten Mosebuches. Die Menschen wurden immer verdorbener, sodass Gott den Entschluss fasste, mit Noah einen Neuanfang zu machen. Aber auch Noah fiel von Gott ab, wobei auffällt, dass auch sein “Fall” mit der Frucht einer Pflanze zu tun hatte (Wein). Danach fing Gott noch einmal von vorne an.

Er erwählte Abraham und seine Nachkommen, um seine Gegenwart in einem neuen Tempel auf Erden zu zeigen.

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4 Responses to “Der Tempel und die Gemeinde (1): Eden als erster Tempel”

  1. Zu Punkt 6
    Das die Berührung des Baumes zum Tod führte, war doch eine Übertreibung Evas und nicht Gottes Gebot? odrrr?

     

    Ludwig

  2. Hallo Ludwig,

    Schön von dir zu hören. Dass die Antwort Evas eine Übertreibung des göttlichen Gebotes darstellt, wird oft behauptet. Ob der Heilige Geist uns das in 1.Mose 3,3 sagen will, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    „Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir; aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens [steht], hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!“
    (1Mose 3:2-3 ELBERFELDER)

    Meinst du nicht, dass manche Ausleger angesichts des relativ kompakten Sündenfallberichts zu Überinterpretationen neigen? Vor allem auch deswegen, weil der Fall auch theologisch von so großem Gewicht ist…

    Zwei Dinge finde ich hier interessant:
    1) Um die gängige Interpretation zu halten müsste sich Gottes Kommunikation mit Adam & Eva bezüglich des Baumes auf das in 1.Mose 2,16-17 gesagte beschränken. Ich meine aber nicht, dass der Sündenfallbericht eine erschöpfende Darstellung des Austauschs zwischen Gott und den Menschen ist. Das Verbot des Berührens könnte durchaus auch in V.16-17 aus anderen (z.B. stilistischen) Gründen ungenannt geblieben sein:

    „Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon ißt, mußt du sterben!“
    (1Mose 2:16-17 ELBERFELDER)

    Der starke Gegensatz “essen – nicht essen”, der auch im hebräischen Text sehr schön parallel läuft, scheint durch eine Ergänzung nicht mehr so schön zu passen. Natürlich sind diese Gedanken von geringem Gewicht und ziemlich spekulativ. Die Tatsache aber, dass das “Berühren” in Vers 17 nicht explizit genannt ist, führt nicht notwendigerweise zur Interpretation, dass Eva mit ihren Worten in 1.Mose 3,3 übertreibt.

    2) Möglicherweise darf man das “Essen” und das “Berühren” nicht als zwei völlig zu trennende Aktionen verstehen, sondern eher im Sinne eines hebräischen Parallelismus. So verstanden würde das “Essen” natürlich das “Berühren” mit einschließen, und umgekehrt meint das “Berühren” auch gleichzeitig das “Essen” mit. Dazu passt der Gebrauch des Verbes “naga‘” an anderen Stellen, z.B. 1.Mose 26,11:

    „Und Abimelech befahl allem Volk: Wer diesen Mann und seine Frau antastet, muß getötet werden.“ (Mit “Antasten” meint Abimelech hier sicher nicht die bloße Berührung, sondern eine Berührung, die zum Schaden der beiden Gäste führt.)

     

    Matthias Viraureus

  3. [...] vorhergehenden Beiträgen hatten wir gesehen, dass man mit gutem Grunde den Garten Eden aus den ersten Kapiteln der Bibel als „Tempel“ bezeichnen kann, weil dort wesentliche Elemente [...]

     
  4. [...] Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 [...]

     

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