21 Mrz 2010
Caspar Olevian (1536-1587): Christ, Kirchenpolitiker und Theologe
Das große Calvin-Jahr 2009 liegt bereits seit geraumer Zeit hinter uns. Viele Konferenzen, Tagungen und andere Veranstaltungen wurden zu Ehren des Genfer Reformators abgehalten und eine nicht geringe Zahl neuer Bücher erschien. Eine Schattenseite solcher großer Jubiläen ist, dass einzelne Gestalten (wie beispielsweise Calvin) in ihrer Bedeutung derart hervorgehoben werden, sodass andere prägende Personen derselben Epoche beinahe vollständig in Vergessenheit geraten.
Ein solcher Mann im Schatten der großen Reformatoren ist Caspar Olevian, ein reformierter Theologe des 16. Jahrhunderts, dessen Lebenswerk heute nur noch in Fachkreisen gewürdigt wird. Dieser Beitrag versteht sich als Anregung, dem Reichtum und der Vielfalt der reformierten Tradition neu auf den Grund zu gehen.
Ausgangspunkt für ein solches Unterfangen könnte das kleine Büchlein “Caspar Olevian (1536-1587): Christ, Kirchenpolitiker und Theologe” von Andreas Mühling (Professor für Kirchengeschichte an der Universität Trier) sein. Auf nur 153 Seiten erhält der Leser einen guten Einblick in Leben und Werk des deutschen Theologen.
Nach einer biographischen Skizze der ersten 23 Lebensjahre, wird unter der Überschrift “Der Kirchenpolitiker” zunächst der fehlgeschlagene Versuch Olevians geschildert, in seiner Heimatstadt Trier die Reformation einzuführen. Besonders wertvoll, auch im Blick auf heutige Reformationsbemühungen, ist die Analyse der Fehler, die letztendlich das Vorhaben scheitern ließen (S. 38f).
Ab 1560 wirkte Olevian in Heidelberg, wo sich unter Kurfürst Friedrich III. eine Hinwendung zum reformierten Bekenntnis vollzog. Zu den Theologen, die in den neuen, reformierten Kirchenrat berufen wurden, zählte neben Olevian auch der spätere Hauptverfasser des “Heidelberger Katechismus” Zacharias Ursinus (1534-83).
Die wichtigste Auseinandersetzung als Kirchenpolitiker in der Kurpfalz führte Olevian um die Frage der Kirchenzucht. Neben dem von ihm favorisierten “Genfer Modell“, wonach die Gemeinde unabhängig von der Obrigkeit den Kirchenbann aussprechen darf, hatte in Heidelberg auch das “Zürcher Modell“, bei dem die Kirchenzucht in gemeinsamer Verantwortung von Kirche und Obrigkeit ausgeübt wird, seine Befürworter. Durchgesetzt hat sich letztendlich, nicht zuletzt aufgrund des eifrigen Bemühens Olevians, das Genfer Kirchenmodell.
Mit dem Tod Friedrichs III. kam es 1576 zum konfessionellen Umschwung in der Kurpfalz. Dessen Sohn Ludwig vertrat nämlich einen streng lutherischen Kurs, weshalb Olevian nicht länger in Heidelberg tätig sein konnte. Ein neues Aufgabenfeld tat sich in der Grafschaft “Sayn-Wittgenstein” auf. Unter der Federführung Olevians wurde die dortige Kirche nach dem Kurpfälzer Vorbild reformiert. Dort widmete er sich auch ausgiebig der theologischen Arbeit. Zahlreiche Kommentare zu den Paulusbriefen und sein wichtigster Kommentar zum Apostolikum (“Vester Grund”) sind Zeugnisse einer außergewöhnlich fruchtbaren Schaffenszeit.
In den letzten Jahren seines Lebens (1584-87) war er maßgeblich an der Errichtung der “Hohen Schule Herborn”, einer reformierten Bildungsanstalt mit europaweiter Ausstrahlung, beteiligt. Neu war dort, im Vergleich zu ähnlichen Akademien, die praktische Ausrichtung des Studiums in Kombination mit der Reformpädagogik nach Ramus.
Am 15. März 1587 verstarb Olevian. Er hatte sich von den Verletzungen nicht erholt, die er sich einige Wochen zuvor bei einem Sturz auf dem Weg zu einem Krankenbesuch zugezogen hatte.
Aus dem theologischen Erbe Olevians sticht vor allem sein Beitrag zur Entwicklung der reformierten Bundestheologie hervor. Den Bundesgedanken von Bullinger mit den Einsichten von Ursinus und Melanchthon kombinierend, unterschied er zwischen einem “Gesetzesbund” und einem “Gnadenbund”. Diese Unterscheidung findet sich später unter anderem im Westminster Bekenntnis wieder.
Zum Weiterlesen gibt Mühling in seinem Buch auf S. 146-7 einige wenige Hinweise. Wer sich mit Olevian, seiner Zeit und Theologie ausführlicher beschäftigen möchte, sei noch auf folgende Literatur vewiesen:
- C. Olevianus und Z. Ursinus: Leben und ausgewählte Schriften (Standardbiographie von Karl Sudhoff)
- “Der Gnadenbund Gottes” von Caspar Olevian (Transkription als PDF)
- Die Bayerischen Staatsbibliothek hat einige Werke (latein & deutsch) digitalisiert. Man findet sie, wenn man unter http://www.digitale-sammlungen.de/ nach “Olevian” sucht.
- “The Covenant Theology of Caspar Olevianus” von Lyle D. Bierma
- “Caspar Olevian and the Substance of the Covenant: The Double Benefit of Christ” von R. Scott Clark
- “An Exposition of the Apostles’ Creed (Classic Reformed Theology, Volume 2)” von Caspar Olevianus

