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7 Apr 2009

Christus im Zentrum der Predigt – Seit 1532

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

Durch einen englischen Blog bin ich heute auf ein sehr spannendes Dokument aus der Reformationszeit gestoßen. Es handelt sich dabei um die Beschlüsse der Synode von Bern aus dem Jahre 1532. Das Dokument wird auch “Berner Synodus” genannt und kann bei Googlebooks kostenlos als PDF-Datei heruntergeladen werden. Wie für Dokumente aus dieser Zeit üblich, ist das Schriftstück in einer schönen Frakturschrift gesetzt und trotz des Alters noch relativ gut verständlich.

Das Kapitel 6 gebe ich hier trotzdem (hoffentlich einigermaßen korrekt) modernisiert wieder:

Eine Christliche Predigt handelt vollkommen von Christus und ist aus Ihm.

Gott hat stets sich und die Erkenntnis seiner selbst an wirkliche Taten und Zeichen sozusagen angebunden und solche Figuren Schatten und Vorbilder alle auf Christus Jesus hin gedeutet. Er ist in diesen letzten Tagen erschienen, hat seinen Lauf im Fleisch vollbracht, ist gen Himmel gefahren und offenbart sich täglich bei den Gläubigen im Heiligen Geist. Es gibt ein einzigartiges Geheimnis das gleichermaßen den Vater und Christus betrifft. So kann auch den Vater niemand erkennen, außer durch den Sohn. Also ist es höchst notwendig, dass alle Diener Gottes und Verkündiger des Reiches Christi den einzigen Herren Christus Jesus flüssig predigen, dessen Erkenntnis alles übertrifft. Deshalb sollen wir einander treu ermahnen, damit wir Diener Christi einzig und allein diesen, unseren Herrn predigen, auf welchem der ganze Rat Gottes ruht. Damit wir nie erfunden werden als Gesetzprediger oder sonst weltliche Prediger, die da uns unsere eigenen Vernunftsgedanken lehren und als solche Diener vom Herren verworfen werden.

Möge uns der Herr eine große Schar von Predigern erwecken, um die Kanzeln unseres Landes und der ganzen Welt mit Seinem Evangelium zu füllen. Wir brauchen keine Moralapostel und Werbefachmänner, die uns das erzählen, was wir uns auch schon selber denken können. Was wir Sünder brauchen ist Jesus Christus – geboren, gelitten, gekreuzigt, gestorben, begraben, auferstanden, erhöht und wiederkommend zum Gericht (in Anlehnung an das Apostolicum).

28 Mrz 2009

Zitat der Woche

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

“Gott befielt was wir nicht können, damit wir erkennen, was wir von ihm erbitten sollen”
(Aurelius Augustinus, Von der Gnade und vom freien Willen, 116)

27 Mrz 2009

Calvin: Mythen und Legenden (2) – “Tanz & Spiel in Genf”

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

Im 2. Band seiner Kirchengeschichte von 1911 schreibt Karl Müller über das gesellschaftliche Leben in Genf folgendes: 

“Der Maßstab, nach dem Erlaubtes und Verbotenes beurteilt werden, ist höchst rigoros: …Spiel, Tanz und alle Lustbarkeiten, die über das scharfe Maß dessen, was den Pastoren erlaubt scheint, hinausgehen, … werden bestraft.” (S. 468, zitiert nach Pfisterer, 64)

Wer solche Zitate liest, wird sofort den Eindruck bekommen, Calvin uns seine Kollegen in der Pfarrerschaft zu Genf wären ausgesprochene Spielverderber und Feinde aller irdischen Freuden gewesen. Dies scheint aber nicht so recht zu den Aussagen des Reformators selbst zu passen, wenn er die irdischen Güter als Gaben bezeichnet, die “nicht nur um unserer Not willen, sondern auch zu unserer Ergötzung” gedacht sind. Weiter schreibt er:

“Es gibt keinen unter uns, der nicht ein Sehnen nach Freude hat; indessen wissen wir nicht , was echte Freude ist und woher wir sie nehmen sollen, und kennen nicht das Ziel, zu dem wir sie uns führen soll. Und darum wird die Freude dieser Welt durch den Mund des Gottessohnes verflucht. Wehe euch, die ihr lachet! Wieso denn? Will Gott, daß wir immer traurig gestimmt seien? Ist er darob erzürnt und beleidigt, wenn wir etwas Freude haben? … Gott begnügt sich nicht nur damit, die Menschen zu nähren und ihnen das Lebensnotwendige zu geben, sondern er gibt ihnen im Überfluß, um sie zu erfreuen … Aber wie sollen wir uns freuen? In der Gegenwart Gottes. Wollen wir uns also so freuen, daß Gott unsere Freude segnet und ja zu ihr sagt und daß sie gleichsam in seiner Gegenwart sei? Dann laßt uns zu Gott aufblicken!” (Pfisterer, 65)

Calvin weiß also sehr wohl um die Freude. Er will aber seine Gemeinde zu der Freude anleiten, die auch “in Gottes Gegenwart” bestehen bleibt. Man wundert sich wie dieses Kriterium zum “rigorosen Maßstab” bei Müller passt.

Tatsächlich war das Tanzen in Genf von der Obrigkeit verboten und unter Strafe (3 Tage Gefängnis) gestellt. Wenn die Schuldigen nach dem Absitzen ihrer Strafe noch beim Kirchenrat vorstellig werden mussten, so diente das nicht dazu noch weitere Strafen zu verhängen, sondern um in einem seelsorgerlichen Gespräch zu bewirken, dass der Schuldige in Zukunft nicht mehr den Gesetzen zuwider handelt.

Es gilt diesbezüglich auch, zu bedenken, dass das Tanzverbot in Genf von Seiten der Obrigkeit nicht plötzlich eingeführt, sondern seit Jahrzehnten zunehmend verschärft wurde. Entgleisungen hatten offenbar zu diesem Vorgehen geführt. Ernst Pfisterer schreibt:

“Eins ist sicher: der Obrigkeit, die das völlige Tanzverbot erlassen hat, lag es völlig fern, eine für alle Zeiten geltende Entscheidung darüber treffen zu wollen, ob Tanzen wider Gottes Gebot sei oder nicht.” (67)

Auch was das Spielen angeht, brachte die Reformation unter Calvin keine bahnbrechenden Neuerungen. Schon Jahrzehnte vorher waren alle Spiele um Geld, also insbesondere die Glücksspiele mit Würfeln und Karten grundsätzlich per Gesetz verboten worden. Alle anderen Spiele (wie das beliebte Kegeln) waren in Genf hingegen, abgesehen von den Gottesdienstzeiten und besonderen Festtagen, erlaubt. Auch der Reformator selber hat gelegentlich mit seinen Freunden gespielt. Es kam ihm dabei allein auf das richtige Maß an:

“Was ich für das Spiel wünsche, ist die Mäßigung. Mögen die Spiele weder das Maß an Ausgaben noch an Häufigkeit überschreiten!” (68)

26 Mrz 2009

Bekennende Kirche N°36 – jetzt online!

Beitrag von Matthias Viraureus. 2 Kommentare

Frisch aus der digitalen Druckerpresse kam heute die neueste Ausgabe der “Bekennenden Kirche” in meinem digitalen Briefkasten an. Wie immer findet sich darin wieder gute geistliche Nahrung in digitaler Form. Ein kleiner Überblick zum Inhalt:

  • Carsten Linke : Wortverkündigung zu 1Mose 15,1– 6 ”Abrahams Gerechtigkeit aus Glauben”
  • Victor E. d’AssonvilleDie Reformation, die Deutschen und Johannes Calvin (1)
  • Jürgen-Burkhard Klautke: Der Gerechte wird aus Glauben leben (1) – Habakuk 1,1–12
  • Jörg Zander: Plädoyer für die Gebetsstunde
  • Jörg Wehrenberg: Offenbarung 19,7.8

Zur PDF-Datei bitte hierlang…

22 Mrz 2009

Der Tempel und die Gemeinde (2): Der Auftrag der Patriarchen

Beitrag von Matthias Viraureus. 1 Kommentar

Im ersten Teil dieser Serie sahen wir, dass Eden der erste Tempel in der Weltgeschichte und Adam der Priester dieses Heiligtums war. Als zweiten Schritt werden wir sehen, dass die Aufgaben des ersten Priesters an seine Nachkommen übergingen. Wie der erste Priester fiel, werden aber auch seine Nachkommen keinen Erfolg haben, bis schließlich der “letzte Adam” den Auftrag erfüllen wird.

Der ursprüngliche Auftrag in 1.Mose 1,28 besteht im Wesentlichen aus fünf Elementen:

  1. “Gott segnete sie”
  2. “Seid fruchtbar und vermehrt euch”
  3. “füllt die Erde”
  4. “macht sie [euch] untertan”
  5. “herrscht über” die Erde (vgl. V.26)

Dieselben Elemente aus dem Auftrag an den ersten Menschen finden sich auch in der Anweisung an Abraham:

„darum werde ich dich (1) reichlich segnen und (2) deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und (3-5) deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, daß du meiner Stimme gehorcht hast.“ (1.Mose 22,17-18)

Ein verwandter Text findet sich auch in 1.Mose 12,1-3:

„Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen und will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ (1.Mose 12,1-3)

Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang lange Zeit nicht beachtet wurde ist, dass die Weitergabe des “adamischen Auftrags” an die Patriarchen in direktem Zusammenhang mit der Errichtung von Heiligtümern steht. Interessanterweise liegen die heiligen Städten der Erzväter häufig in der Nähe von Bäumen. Aus der Perspektive der spätere Landnahme fällt dabei auf, dass diese Heiligtümer als eine Art Markierungen für das Land Gottes dienten, die seinen Besitzanspruch zum Ausdruck brachten. Letztendlich wiesen diese kleinen Heiligtümer aber nach vorne, zu dem größeren Heiligtum, das erst nach dem Auszug aus Ägypten und der Einnahme des verheißenen Landes möglich war.

21 Mrz 2009

Calvin: Mythen und Legenden (1) – “Der Servetprozess”

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

“Was weiß man schon bis weit in die Kreise der akademisch Gebildeten hinein von Calvin? Daß er die Vorherbestimmung gelehrt und Servet verbrannt hat? Das ist in der Regel alles, und es ist auch noch falsch!”,

schreibt Wilhelm Niesel in seinem Vorwort zu Ernst Pfisterers kleinem Büchlein “Calvins Wirken in Genf” (1957, Verlag des Erziehungsvereins, Neukirchen). Tatsächlich ranken sich um den Genfer Reformator bis heute allerlei Myten und Legenden, die meist von seinen Gegenern ersonnen wurden, sich aber bis heute noch hartnäckig halten.

In dieser Serie von Beiträgen möchte ich anhand dieses Büchleins von Pfisterer auf einige wichtige Punkte hinweisen.

DER SERVETPROZESS

Ein Kernproblem bei vielen Darstellungen Calvins und seines Wirkens in Genf ist, dass man den Reformator und seine Wirkungsstätte nur sehr unzureichend im historischen Kontext betrachtet. Wenn also Calvin, nachdem er über die Ankunft des Antitrinitariers in Genf, informiert worden war, Servet an die Behörden meldete, so kann man das aus heutiger Sicht als übles “Denunziantentum” anprangern, damals aber war es die Pflicht eines jeden Bürgers, die Obrigkeit über Irrlehrer in der Stadt zu informieren. Calvin tat also schlichtweg seine Pflicht. Dass Calvin selber auch die Anklage führte liegt in der Tatsache begründet, dass zu der Zeit des Prozesses die Stadt, und damit auch die Justiz, von seinen schärfsten Gegnern geführt wurde und er zu befürchten hatte, dass man Servet ungestraft davonkommen lassen würde.

Wessen wurde Servet beschuldigt? Worin bestand die vorgeworfene Gotteslästerung?

“Zunächst in der Leugnung der Trinität, dann in der Bezeichnung der Kindertaufe als einer teuflischen Erfindung, schließlich in der Behauptung, daß der Mensch bis zum Alter von zwanzig Jahren keine Todsünde begehen könne, denn Gott habe in der Wüste nur die über Zwanzigjährigen bestraft! Außerdem wurde ihm vorgeworfen, daß er Calvin, den Diener des göttlichen Wortes in Genf, in seinen Schriften angegriffen habe.” (Pfisterer, 42)

Dass es aufgrund dieser Anklage zur Hinrichtung kommen würde, war alles andere als klar. Schließlich hatte Servet bereits mehrmals in ernster Lage seine Aussagen widerrufen, um seinen Hals zu retten. In Genf allerdings trat er “Calvin als Angreifer gegenüber und dachte nicht daran, zu widerrufen.” (43) Er tat dies nicht zuletzt deswegen, weil er sich bei den Gegnern Calvins in Sicherheit wähnte. Pfisterer bezeichnete ihn sogar als “Spielball” in den Händen der Genfer Obrigkeit, den diese in der Auseinandersetzung gegen den Reformator gebrauchen wollten (44).

Bald schaltete sich aber der Generalprokurator der Republik ein, weil es bei dem Prozess um öffentliche Belange ging. Von da an war Calvin nicht mehr der Kläger, sondern nur noch theologischer Berater. Das Urteil fiel deshalb auch nicht in erster Linie aufgrund von theologischen Lehrfragen, sondern im Hinblick auf die praktischen Folgen, die Servets Behauptungen mit sich brächten. So fürchtete man unter anderem, dass der Stadtfriede durch Ausschweifungen und Verbrechen der Jugend gestört werden würde, wenn sie unter 20 Jahren keine Todesstrafe zur fürchten gehabt hätte. 

“Den Ausschlag für die Urteilsfällung gaben die von den Kirchen und Regierungen Basels, Berns, Zürichs und Schaffhausens eingeholten Gutachten, ein Verfahren, das wiederum im Sinne der Carolina [,einer reichsweit gültigen Strafrechtsordnung,] war.”

Dass Calvin sich vergebens bemühte, die übliche Strafe durch Verbrennen, durch die ehrenvollere Enthauptung zu ersetzen wird nur selten erwähnt. Dies ist vor allem deshalb interessant, weil sich der Servetprozess “von den anderen Lehrprozessen mit tödlichem Ausgang innerhalb der evangelischen Kirchen [...] einzig und allein durch die andere Hinrichtungsart” (45) abhob. Im Vergleich zur Enthauptung zweier Männer in Dresden und Königsberg, bei denen keine Grundwahrheiten des christlichen Glaubens (z. B. die Trinität) zur Disposition gestanden hatten, erscheint die Aufmerksamkeit, die der Hinrichtung Servets gegeben wird eher unverhältnismäßig.

Auch dass der Kirchenrat mit dem Prozess überhaupt nichts zu tun hatte muss an dieser Stelle angeführt werden, weil schon anderes behauptet wurde. Im Übrigen waren sich die Männer im 16. Jahrhundert fast ausnahmslos darin einig, dass Gotteslästerung gemäß dem Reichsgesetz mit der Todesstrafe zu ahnden sei.

19 Mrz 2009

Der Tempel und die Gemeinde (1): Eden als erster Tempel

Beitrag von Matthias Viraureus. 4 Kommentare

G. K. Beale (Neutestamentler am Wheaton College, IL) gibt in seinem Artikel “The Church’s Mission in the New Creation” (JETS, 48.1, S.3-31) neun Gründe an, warum das Eden der ersten Schöpfung als Tempel verstanden werden sollte:

1. Der Tempel ist der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Adam, als erster Priester wandelte mit Gott. In 1.Mose 3,8 wird für Gottes Gegenwart in Eden die selbe Verbform (“hithallek”) gebraucht wie an anderen Stellen, wo von Gottes “wandeln” in der Stiftshütte die Rede ist.

2. Gott gibt Adam den Auftrag den Garten „zu bebauen und ihn zu bewahren“ (1Mose 2,15).

Sucht man die beiden hier gebrauchten hebräischen Verben (‘abad und shamar) an anderen Stellen des Bibeltextes, dann fällt auf, dass sie häufig für Priester gebraucht werden, die im Tempel “dienen” und ihn vor unreinen Dingen “bewahren” (z.B. Num 3,7-8). Adam war also der erste Priester. Als er seine Aufgabe vernachlässigte, indem er auf die Schlange hörte, wurde er aus dem Garten vertrieben und die Cherubim übernahmen die Aufgabe den Garten zu bewachen (shamar).

3. Der “Baum des Lebens” in Eden scheint als Modell für den Leuchter gedient zu haben, der vor das Allerheiligste in den Tempel gestellt werden sollte.

4. Spätere Tempel sollten offenbar eine gartenähnliche Athmosphäre haben, was sich in den Verzierungen ausdrückte („Schnitzwerk von Koloquinten[blättern] und Blumengewinden“ (1Könige 6:18)).

5. Wie spätere Tempel war auch Eden auf einem Berg gelegen (Hes 28,14.16; Beale geht davon aus, dass hier Adam gemeint ist) und hatte seine Eingang nach Osten hin (Gen 3,24).

6. Die Bundeslade mit dem Gesetz spiegelt den Baum der Erkenntnis wieder, der bekanntlich ebenfalls Weisheit verleihen konnte. Berührung des Baumes führte genauso zum Tod wie auch die Berührung des Bundeslade.

7. In 1.Mose 2,10 wird ausgesagt, dass ein Strom von Eden ausging. Ein solcher Strom findet sich auch im Endzeit-Tempel von Hesekiel 47,1-12 und in Offb 21,1-2.

8. Es ist gut möglich, dass es innerhalb von Eden eine Art Heiligtum gab. Der Ursprung des Wasserstroms liegt in “Eden” und bewässert den Garten. Es entsteht also das Bild einer palastartigen Residenz mit anliegendem Garten. Ein ähnliches Bild wird auch in Hes 47,1 und Offb 22,1-2 gezeichnet. In den Tempelgebäuden Israels lässt sich diese Unterscheidung im Allerheiligsten und Heiligsten finden.

9. Hes 28, 13-18 spielt an auf Eden, den Garten Gottes, den “heiligen Berg” an, in dem Heiligtümer waren.

Wenn man alle diese Punkte zusammennimmt, liegt die Schlussfolgerung tatsächlich nahe, dass Eden als erster Tempel zu verstehen ist. Demnach war Adam der erste Priester, der nicht allein die Aufgabe hatte “zu bebauen und bewahren” sondern sich auch den Bereich außerhalb von Eden “untertan” zu machen (1.Mose 1, 28). Das Ziel dieses Auftrags scheint die Ausbreitung des Gartens und damit die Herrschaft Gottes auf die ganze Welt gewesen zu sein. Dies sollte durch die Vermehrung des Menschengeschlechtes geschehen. Wo immer der Mensch, als im Bild Gottes geschaffen, auftrat wurde auch die Gegenwart Gottes sichtbar.

Dass dieses Ziel durch den Fall Adams unmöglich wurde, wissen wir aus dem dritten Kapitel des ersten Mosebuches. Die Menschen wurden immer verdorbener, sodass Gott den Entschluss fasste, mit Noah einen Neuanfang zu machen. Aber auch Noah fiel von Gott ab, wobei auffällt, dass auch sein “Fall” mit der Frucht einer Pflanze zu tun hatte (Wein). Danach fing Gott noch einmal von vorne an.

Er erwählte Abraham und seine Nachkommen, um seine Gegenwart in einem neuen Tempel auf Erden zu zeigen.

16 Mrz 2009

Verax-Rückblick: Robert Strivens – Die Lehre der Dreieinigkeit in der Predigt

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

rstr[Dieser Beitrag enthält meine stichwortartigen Notizen zum Vortrag.]

“Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich. Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe, dahin wißt ihr den Weg. Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. Glaubt mir, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt mir um der Werke selbst willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.” (Johannes 14:1-14 ELBER-LEM)

Frage an die Verkündiger: Reflektiert deine Predigt den Dreieinigen Gott? Im Westen gibt es viel Verwirrung rund um dieses Thema. Viele Menschen rufen einfach „Gott“ an, nicht den Vater, Herr usw. In vielen Gebeten bemerkt man Unsicherheit auf diesem Gebiet. Die westliche Kirche hat viel mehr von dieser Lehre verloren als der Osten.

WARUM IST DIESES THEMA SO WICHTIG FÜR HEUTE?

1. Dreieinigkeit in der Evangelisation

Müssen die Ungläubigen nicht einfach das simple Evangelium hören? Natürlich. Aber dieses einfache Evangelium braucht die Trinität. Der Gott des rettenden Evangeliums ist der dreieinige Gott. Darum muss der dreieinige Gott bei der Evangelisation verkündigt werden. Dasselbe gilt auch für persönliche Evangelisation, Gespräche im Privaten.

a) Wir leben in  einer relativistischen Zeit

Der christliche Glaube ist einfach eine Religion wie jede andere? Medien werfen alle Gläubige in einen Topf. Ein unterscheidendes Merkmal ist der Glaube an einen Dreieinigen Gott. Darum muss in der Verkündigung der dreieinige Gott zentral sein. Man sieht es in der Bibel bei Paulus auf dem Areopag in Athen. Auch in Athen war Relativismus eine prägende Meinung. Paulus macht keinen Exkurs über die Dreieinigkeit und doch betont er die Dreieinigkeit auf seine Weise.

b) Das bekannte Christentum ist liberal – Trinität zumindest implizit geleugnet.

Beispiel: Der Erzbischof von Canterbury vergleicht den christlichen Gottesglauben mit dem Hinduistischen Glauben. Gemeinsames Licht. => Die Betonung der Dreieinigkeit hilft, sich von der liberalen Theologie zu distanzieren.

c) Herausforderung des Islam.

Muslime sind Monotheisten. Andere Götter wie auch von den Christen radikal abgelehnt. Wir müssen uns im Klaren sein, dass Allah nicht dem christlichen Gott entspricht. Der wahre und Lebendige Gott ist dreieinig!

d) Eine richtige Verkündigung des Evangeliums setzt die Dreieinigkeit voraus

Unser Heil wurde durch einen Gott bewirkt, der in 3 Personen existiert. Der Vater sandte den Sohn. Der Sohn opferte sein Leben. Der Heilige Geist ruft zum Glauben. Die Einheit der Gottheit zeigt die Einheit des Heilsplanes, die Unterscheidung in Personen zeigt die Ausführung des Heilswerkes in unterschiedlichen Aufgaben.

2. Predigt zur Erbauung der Gemeinde

a) Wir wachsen im Glauben durch die Wahrheit

Timotheus sollte durch das Wort Gottes wachsen und seine Gemeinde durch gesunde Lehre erbauen. Das ist aber nicht nur eine intellektuelle Übung, aber die Lehre kommt durch den Verstand in unser Leben sodass wir sie ausleben können. Die Lehre der Dreieinigkeit ist in dieser Hinsicht sehr wichtig!

b) Die Dreieinigkeit bewahrt uns vor Anthropozentrismus. Gott wird in den Mittelpunkt gestellt.

c) Die Dreieinigkeit bewahrt uns vor Irrtum und Irrlehre. Gleichmäßige Betonung – keine Einseitigkeit.

d) Der ganze Heilsplan Gottes ist trinitarisch aufgebaut.

e) Die Trinität als Lehre beeinflusst unsere Beziehung mit Gott.

 

3. Wie kann das praktisch in unserer Verkündigung aussehen?

Die Schrift beinhaltet keine systematische Entfaltung der Lehre von der Dreieinigkeit, dafür ist diese Lehre aber die Grundlage für alle Aussagen. Dies ist manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlich. Unsere Predigt sollte durchtränkt sein von der Trinitätslehre.

Joh 14 spricht über das Zeitalter des Evangeliums und der Gemeinde. Wir können gewiss sein, dass Gott unsere Gebete hört, weil Jesus Christus zur rechten des Vaters sitzt. Jesus ging zum Vater, damit der Sohn gesandt werden kann. Durch den Geist haben wir Gemeinschaft mit dem Dreieinigen Gott.

1) Die Predigt muss das trinitarische Muster der Schrift reflektieren

2) Die Verkündigung muss korrekt von der Dreieinigkeit sprechen. Was sind die Aufgaben der einzelnen Personen?

3) Keine Theologische Abhandlung, sondern die Dreieinigkeit als Grundlage. Einheit und Verschiedenheit der Personen gleich betonen.

Den unausforschlichen Reichtum Gottes zu verkündigen ist eine gewichtige Aufgabe. Darum müssen wir als Prediger von der Dreieinigkeitslehre durchdrungen sein.

11 Mrz 2009

Verax-Rückblick: Andreas Vetterli – Die Dreieinigkeit und das normale Christenleben

Beitrag von Matthias Viraureus. 1 Kommentar

avete[Dieser Beitrag enthält meine stichwortartigen Notizen zum Vortrag.]

Die Dreieinigkeitslehre war keine späte Entwicklung der Kirche. Schon  die ersten Christen glaubten an einen dreieinigen Gott, was sich in ihrer Taufformel ausdrückte. Nach den Anfängen der theologischen Formulierung bei Tertullian wurde die Lehre auf mehreren Konzilen entfaltet.

Warum ist eine Beschäftigung mit der Trinitätslehre wichtig?
Jesus stellt einen Zusammenhang zwischen der rechten Erkenntnis Gottes und dem ewigen Leben her (Joh 17).  Juden, Moslems und Zeugen Jehovas lehnen die Dreieinigkeit hingegen ab. Auch von liberal-theologischer Seite kommen Angriffe auf die traditionellen Formeln.

Ist die Dreieinigkeit ein praxisfremdes theologisches Konstrukt ohne Bezug zum täglichen Leben? Antwort im Heidelberger Katechismus – Frage & Antwort 1:

1. Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?
Daß ich mit Leib und Seele, beide im Leben und im Sterben(1), nicht mein(2), sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin(3), der mit seinem teuren Blut(4) für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet(5) und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat(6) und also bewahret(7), daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen(8), ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß(9). Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert(10) und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht(11).

1) Rom 14, 7Rom 14, 8
2) 1.Kor 6, 19
3) 1.Kor 3, 23
4) 1.Petr 1, 181.Petr 1, 19
5) 1.Joh 1, 71.Joh 2, 2
6) 1.Joh 3, 8
7) Joh 6, 39
8) Mt 10, 29-31Lk 21, 18
9) Rom 8, 28
10) 2.Kor 1, 20-22Eph 1, 13Eph 1, 14
11) Rom 8, 14Rom 8, 16 

Jesus Christus erwirbt Erlösung für die Gläubigen – befreit von Sünde, Tod und Teufel – befreit zum Gottesdienst. Christus musste für ein vollkommenes Opfer wahrer Mensch und wahrer Gott sein. Wahrer Mensch weil er Menschen erlösen will. Wahrer Gott weil er einen ewigen Zorn zu tragen hat.  Jesu Gebete (z.B. Joh 17) werden vom Vater gewiss erhört – weil er eins mit dem Vater ist (vgl. Joh 11).

Der Vater hat alles in seiner Hand. Kein Spatz kann ohne den Willen des Vaters zur Erde fallen. Ohne den Willen des Vaters geschieht nichts. Es gibt keine Überraschungen für Gott – niemand kann Ihn an etwas hindern. Spr 21:1 [Wie] Wasserbäche ist das Herz eines Königs in der Hand des HERRN; wohin immer er will, neigt er es.

Der Heilige Geist befähigt zu gottgefälligem Leben. Er beruft wirksam in der Wiedergeburt – eignet dem Gläubigen das vollbrachte Heilswerk zu. Tägliches Wirken des Geistes: Erneuerung und Stärkung im Glauben durch Wort und Sakrament. Gaben des Geistes für die Gemeinschaft der Gemeinde. Erinnerung an die Vergebung Jesu Christi nach einem Fall in die Sünde. Auch Evangeliumsverkündigung ist durch das Wirken des Heiligen Geist erst möglich.

Die Personen der Dreieinigkeit widersprechen sich nicht. Der Heilige Geist führt nicht anderswohin als der Sohn oder der Vater. Alle Personen der Dreieinigkeit lieben den Gläubigen mit derselben Intensität.

Zusammenfassung: Alles Heil kommt vom Dreieinigen Gott. Jeden Tag. In allen Umständen!

27 Feb 2009

Witsius IV.17: Über das Abendmahl.

Beitrag von Matthias Viraureus. Keine Kommentare

Das Abendmahl ist das zweite Sakrament des Neuen Bundes, neben der Taufe. Die „Elemente“ des Abendmahles sind Brot und Wein. Daher kann das Sakrament allgemein empfangen werden und bleibt in Übereinstimmung mit der neutestamentlichen Haushaltung. Es ist nicht mehr ein „blutiges“ Sakrament wie das Passah, denn das Passah wurde von Christus erfüllt. Er allein ist das blutige Opfer. Ungesäuertes Brot und Wein sollten benutzt werden, wobei ein roter Wein vorzuzuziehen aber nicht notwendig ist.

Christus nahm das Brot, dankte, brach es und verteilte es. Seine Worte über das Brot beinhalten die Aufforderungen zu nehmen, zu essen, und dies in Erinnerung an Ihn zu tun. Er erklärte dann, dass dies Sein Leib ist, der für dich gegeben ist. Über den Kelch: Christus nahm den Kelch, sagte dank und gab ihn weiter. Er forderte sie alle auf, davon zu trinken, in Erinnerung an ihn. Es stellt das Blut des Neuen Bundes dar, das zur Vergebung der Sünde vergossen wird. Die Jünger empfingen beides, Brot und Kelch und aßen das Brot und tranken von dem Kelch.

 

Diejenigen, welche am Abendmahl teilnehmen dürfen müssen notwendige Anforderungen erfüllen.

  • Sie müssen eine Kenntnis des Glaubens haben und fähig sein, den Leib Christi richtig zu beurteilen.
  • Sie sollten in der Lage sein, die Analogie des Sakramentes zu verstehen und den Tod des Herrn zu verkündigen, bis er kommt.
  • Sie müssen ein bußfertiges und gläubiges Herz haben. So sind beispielsweise Säuglinge vom Abendmahl ausgeschlossen, wie auch junge Säuglinge nicht am Passah teilnahmen.
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Die geistliche Bedeutung des Abendmahles liegt darin, dass es ein Zeichen für unsere Zurüstung ist. Das Brot steht für den Leib Christi, und der Wein für das Blut Christi. Das Empfangen der Elemente veranschaulicht Christus für die Gläubigen: Das Brechen des Brotes steht für Christi Tod, das Eingießen des Weines veranschaulicht Sein vergossenes Blut, und das Empfangen der Elemente verweist darauf, dass die Gläubigen Christus empfangen haben. Wir sollten über Christus nachdenken, wenn wir die Elemente zu uns nehmen, denn darin haben wir Gemeinschaft mit Christus. Schließlich ist es ein Siegel, das uns der Verheißungen und der Gnade Gottes versichert. In diesem Siegel empfangen wir wahre und wirkliche Segnungen, welche die Einheit zwischen Ihm und uns verdeutlichen und auf die zukünftigen Segnungen im kommenden Leben verweisen. Es ist unsere ernte Pflicht gegenüber Christus, dass wir würdig daran teilnehmen. Wir sollten uns in Bezug auf unsere Pflichten als treue Ehegatten vor Christus erweisen. Wir sollten die Liebe Christi, wie sie im Abendmahl sichtbar wird auch erwidern und uns immer an Christi stellvertretenden Tod erinnern.