13 Jan 2009
Witsius IV.3: Über die Lehre der Gnade von Abraham bis Mose.
Eine der glorreichsten Epochen der Heilsgeschichte kann man an der Gnadenlehre unter Abraham erkennen. Gnade wurde sichtbar, als Gott Abraham erschien. Gott ruft ihn aus Ur (1.Mo 12,1), und spricht zu ihm bei Schechem (1.Mo 12,67) und in Bethel (1.Mo 13,3-4). Gott verheißt ihm einen Sohn und Erben noch zu seiner Lebenszeit (1.Mo 15) und schenkt ihm das Zeichen der Beschneidung (1.Mo 17,1). Einmal wurde Gott selbst sein Gast (1.Mo 18,1). Bei Abrahams Prüfung befahl ihm Gott Isaak als Opfer darzubringen (1.Mo 22,1).
Gnade wird im Bund Gottes mit Abraham deutlich sichtbar. Der Zeitpunkt dieses Bundesschlusses liegt 430 Jahre vor dem Auszug aus Ägypten (Gal 3,17). Die Bedingung dieses Bundes war zuallererst das Verlassen seines Vaterlandes, was ein hohes Maß an Selbstverleugnung erforderte (1.Mo 12,1). Er durfte sich auch nicht fürchten um so Glaube und Liebe zu beweisen (1.Mo 15,1). Auch sollte er vor Gott wandeln, was Heiligkeit zur Bedingung hatte (1.Mo 17,1).
Die Verheißungen des Bundes waren geistliche Verheißungen. Man kann sie in allgemeine und spezielle geistliche Verheißungen einteilen.
Die allgemeinen geistliche Verheißungen (1.Mo 15,1; 17,1+7) beinhalteten die Verheißungen, dass Gott ihn vor allem Bösen beschützen würden und, dass Gott selbst seine Belohnung sein würde. Er würde Gemeinschaft mit Gott und Sein beständiges Wohlwollen haben.
Die speziellen geistlichen Verheißungen an Abraham bezogen sich auf ihn als das Haupt und Ehrenvater aller Gläubigen, denn der Messias sollte sein Nachkomme sein. Er ist auch ein Vorbild für den Glauben und Segen für diejenigen nach ihm (1.Mo 12,2-3). Er hatte einen verheißenen Samen, was sich auf Isaak (1.Mo 21,12), auf Christus (Gal 3,16), und auf alle Gläubigen (Röm 9,8) bezieht (Röm 9,8).
Abraham hatte einen großartigen Glauben an Gott. Er wurde allein aus Glauben gerechtfertigt (1.Mo 15,6; Röm 4,3; Gal 3,6). Das „Objekt“ seines Glaubens waren die Verheißungen, die ihm gegeben waren (Röm 4,20-21) und die Verheißungen, welche sich in Christus wiederfinden (Joh 8,56). Die Verheißungen an Abraham wurden für Isaak und Jakob bestätigt.




Von der Paradiesverheißung bis zur Vollendung der Zeiten zieht sich ein Faden durch die Geschichte der Menschheit, nämlich das Wirken des freien, barmherzigen und allmächtigen Willens Gottes, die Welt, trotz ihres Abfalls, selig zu machen. Dieser Wille bildet das Herz der reinen Religion und ist zugleich die Seele aller wahren Theologie. Denn nach dem Ratschluss dieses Willens werden wir erkoren, nach diesem Willen werden wir wiedergeboren und durch diesen Willen werden wir geheiligt. Kraft des Wohlgefallens dieses Willens wird in der Fülle der Zeiten alles wieder zu Einem vereinigt, unter Christus, als dem Haupte alles dessen, das im Himmel und auf Erden ist. Und in der Offenbarung selbst entfaltet sich dieser Wille Gottes immer klarer als Liebe des Vaters, als Gnade des Sohnes und als Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

