(von Adolph Saphir, englisches Orginal hier )
Christus zu predigen bedeutet Christus als gekreuzigt zu predigen; der Tod Christi am Kreuz als ein Sühneopfer ist das Zentrum und der Kern, wenn wir Christus verkündigen.
Es ist notwendig auf diesen Punkt näher einzugehen, weil er in der heutigen Zeit so oft bestritten, verdunkelt und umgangen wird. Die Empfindung der Welt und auch die tiefgründige und lebhafte Überzeugung der Kirche stimmen in diesem Punkt überein: Das Zentrum des Christentums ist der gekreuzigte Christus. Die Welt – mit Zweifeln, Unglauben, Abneigung; die Kirche in Glauben, Liebe, anbetender Freude und Triumph. Wenn wir sagen, ein Mensch glaubt an Christus, dann meinen wir: er vertraut auf den Christus, der starb; der Gerechte für Ungerechte. Wenn wir sagen, ein Mann predigt Christus, dann meinen wir: er verkündigt die Erlösung, die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Sein Blut. Wenn Christen das Abendmahl zu Seinem Gedenken halten, dann erinnern sie sich an den, der Sein Leben als Lösegeld für viele niedergelegt hat. Das Kreuz Christi ist die Kurzfassung von allem, der Mittelpunkt, von wo aus Rechtfertigung, Heiligung und die zukünftige Herrlichkeit ausstrahlen.
Es wurde gesagt, dass die Botschaft der Kirche die Auferstehung Christi sei. Es sei zu verkündigen, dass Jesus lebt. Gelobt sei Gott, dass Christus auferstanden ist und jetzt zur rechten der Majestät in der Höhe sitzt. Aber die Auferstehung Christi ist genau genommen nicht die Botschaft der Erlösung für die Welt. Es gibt keine Zweifel, was das Evangelium ist, wozu Gott seine Boten aussendet, um es zu predigen. Denn der Apostel Paulus schreibt ganz klar: Gott hat „uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt“ (2.Kor 5,18) und „hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“(v. 19). „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“(v. 20). Dass mit dieser Versöhnung, von Gottes Seite aus, nichts anderes gemeint ist als der sühnende, stellvertretende Tod Christi am Kreuz wird offensichtlich durch den darauffolgenden Vers: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (v. 21)
Das ist das Evangelium. Das muss der Welt gepredigt werden. Für die Welt ist unsere Botschaft: der gekreuzigte Christus. Für den Gläubigen, für die Kirche ist unsere Botschaft: Christus ist auferstanden: Er lebt; Er ist deine Gerechtigkeit und Stärke, dein Leben und deine Hoffnung. Es ist damit vergleichbar, dass der Tod Christi, die Kreuzigung, vor der ganzen Welt, Juden und Heiden, stattfand. Alle Leute sahen Ihn. Christus wurde erhöht. Die Auferstehung Christi fand im Verborgenen statt; kein menschliches Auge bezeugte den geheimnisvollen, glorreichen Moment; und der erstandene Heiland erschein nur den Auserwählten, und nicht der Welt. Es ist vollkommen richtig, dass das Evangelium weder wahr noch eine lebendige und belebende Kraft wäre, wenn Christus nicht auferstanden ist. Aber das Evangelium selbst ist: Christus starb für die Gottlosen.
Außerdem, und das ist gleich wichtig: Was ist mit der Auferstehung Christi gemeint? Und warum ist sie von so fundamentaler Bedeutung? Nicht dass Jesus als Mensch von den Toten auferweckt worden ist; auch nicht, dass Jesus, wie alle frommen Menschen, jetzt und in Ewigkeit lebt; sondern, dass Jesus, der Christus, unser Stellvertreter auferweckt worden ist; dass Er der für unsere Verstöße dargebracht wurde, um unserer Rechtfertigung willen wieder auferstanden ist, sodass Jesaja 53 in Ihm erfüllt wurde; Er wurde von Israel verschmäht und abgelehnt; Er wurde vom Vater geehrt und verherrlicht: und warum? Weil er um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen wurde. Er lebt und sieht seinen Samen; weil Seine Seele zu einem Opfer für Sünde gemacht wurde. Er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat. Dies ist die Bedeutung der Auferstehung und das ist der Grund, warum alle Apostel predigen. Jesus selbst sagte zu seinem geliebten Jünger: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offb. 1,17+18)
So wie der Sühnetod Christi nicht nur die wahre Bedeutung der Auferstehung, und das Fundament auf dem Seine Verherrlichung ruht (Philipper 2), erklärt – so kann auch die Herrlichkeit des auferstandenen Herrn, als Prophet und königlicher Priester nur im Licht von Golgatha gesehen werden. Weil Er starb, erhöhte ihn Gott dazu ein Prinz und Heiland zu sein, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu gewähren. (Nicht um Skeptikern das Übernatürliche und das zukünftige Leben zu beweisen) Er ist „durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.“ (Hebr. 9,12) Er ist der Mittler des neuen Testamentes und der Hohepriester über das Haus Gottes, weil Er einmal dargebracht wurde, um die Sünden vieler zu tragen. Nur durch den Glauben an Sein Blut können wir in das Allerheiligste eintreten, und so auch Anteil an den ewigen, geistlichen Segnungen Seiner Priesterschaft haben. Auch die verherrlichten Heiligen vor dem Thron verlieren in alle Ewigkeit nicht die zentralste Offenbarung und Tat Göttlicher Liebe aus den Augen: „du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen“ (Offb. 5,9). Dies ist die Grundlage, auf der die Herrlichkeit ruht, die der königliche Priester Seinen Heiligen gibt: „und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht“ (v. 10).
Letztlich ist den gekreuzigten Christus zu verkündigen der einzige Weg, wie Leben und Dienst Christi wirklich verstanden werden können. Wir werden oft beschuldigt, das Beispiel Christi und die Vollkommenheit seines Charakters und Lebens nicht mit genügend Nachdruck herauszustreichen. Es wird uns gesagt, dass das Wichtigste sei, die Sündlosigkeit und Reinheit, die Liebe und Selbstverleugnung Christi zu predigen. Aber ist das wahr? Die Menschen sagen: Entfalte uns die Schönheit, die Erhabenheit, die Liebe Christi, des vollkommenen Menschen, sodass wir jede Eigenschaft seines edlen Charakters nachahmen können. Das wäre brauchbare Predigt. Genauso wie die Juden am Fuß des Sinai versprachen alles zu befolgen, was Gott ihnen befehlen würde, ohne das wahre Wesen der Sünde und den wirklichen Zustand eines sündigen, gefallenen Menschen zu kennen, so meinen unsere Europäer im 20. Jahrhundert, dass alles was sie brauchen ein hohes und attraktives Ideal von Menschlichkeit ist. Dies ist ein Aspekt der Täuschung. Ein anderer Gesichtspunkt ist, dass die Menschen nicht sehen, was das Beispiel Christi wirklich ist. Was ist die Herrlichkeit des irdischen Lebens Christi? – Worin besteht sein unvergleichlicher Charakter, durch den es dem zur Vater unendlichen Freude und dem Gläubigen ein großes Vorbild und stärkende Kraft wurde? Wie der Apostel in seinem Brief an die Philipper erklärt besteht der Geist, der in Christus Jesus war und der auch in uns sein sollte darin – dass er für die Ehre des Vaters und die Erlösung von Sündern Mensch wurde, und als Mensch den Weg der Demut ging; immer den Tod am Kreuz im Blick, den Er am Schluss dann auch erleiden musste. Das war der Wille des Vaters. Um ihn zu erfüllen kam Er. Das war der Gehorsam. Allein in diesem Licht betrachten wir das Lamm ohne Fleck und Makel; die Liebe und den Gehorsam, den er in seinen Tagen im Fleisch offenbarte. Also predigen wir den gekreuzigten Christus: nicht unter Ausschluss seines Lebens sondern unter Einschluss und in wahrem Besitztum, von allem was in Christus ist.